Methodik
Engine v2.6 · Score-Modell v2.1. Diese Seite dokumentiert, wie Empfehlungen und Szenarien zustande kommen — einschließlich der Grenzen.
Die Entscheidungskaskade
Grundlage sind ein vollständiger technischer Crawl (Screaming Frog) und die Suchdaten der Google Search Console. Jede indexierbare Seite durchläuft eine feste Reihenfolge: Paginierung → Neue-Seiten-Schutz → eindeutige Signale → kombinierte Signale → CTR-Potenzial → Suchleistung. Statt eines pauschalen „Review"-Urteils benennt die Analyse konkrete Aktionen (Zusammenlegen, Aktualisieren, Intern verlinken, Query-Fokus) auf Basis der Top-Suchanfragen je Seite.
Zwei Schutzregeln sind unverrückbar: Seiten mit realen Klicks werden nie zur Deindexierung empfohlen, und hohe Sichtbarkeit ohne Klicks wird zuerst als Snippet- bzw. KI-Übersichts-Thema eingestuft — seit 2025 beantworten Googles KI-Übersichten viele Suchanfragen direkt in der Ergebnisseite.
Die Suchleistung (0–100)
Die Kennzahl fasst zusammen, wie viel nachweisbaren Suchwert eine Seite hat. Sie hieß früher „Content-Score" — ein irreführender Name, denn 80 der 100 Punkte kommen aus Klicks, Impressionen und Position, kein einziger aus der Textqualität. Eine Seite kann deshalb hohe Suchleistung und schwache Inhaltsqualitäthaben (die Spalte daneben, 0–20) und umgekehrt: Die beiden messen Verschiedenes und sind nicht gegeneinander zu verrechnen. Jedes Signal mit Gewicht und Begründung:
| Signal | Gewicht | Messung | Warum |
|---|---|---|---|
| Klicks (90 Tage) | 40 | logarithmisch, 100 Klicks = volle Punkte | Der härteste Beleg für Suchwert. Logarithmisch, damit die ersten Klicks mehr zählen als der tausendste. |
| Impressionen (90 Tage) | 20 | logarithmisch, 1.000 = volle Punkte | Sichtbarkeit ohne Klick ist seit den KI-Übersichten ein eigener Wert — aber weniger wert als ein Klick. |
| Ø-Position | 20 | Top 3 voll · Top 10 75 % · bis 20 40 % | Stufen statt Kurve: Die Seite-1-Grenze ist im Suchverhalten real, eine glatte Kurve würde sie wegbügeln. |
| Interne Verlinkung | 15 | logarithmisch, 50 eingehende Links = voll | Zeigt, ob die Seite im eigenen Haus für wichtig gehalten wird — der günstigste Ranking-Hebel. |
| Wortzahl | 0 | — | Seit Score-Modell v2.0 bewusst Gewicht 0: Textlänge ist kein Ranking-Faktor. Dünner Inhalt fällt weiter als technischer Befund auf, kostet aber keine Score-Punkte. |
| Canonical = Self | 5 | ja/nein | Eine Seite, die auf ein anderes Original zeigt, sammelt ihre Signale nicht selbst. |
Die Gewichtungen sind versioniert und pro Lauf eingefroren — Score-Vergleiche zwischen Läufen bedeuten dadurch etwas. Sie sind bewusst nicht pro Projekt verstellbar; konfigurierbar sind nur die Entscheidungs-Schwellen.
Inhaltsqualität (0–20)
Separat von der Suchleistung, weil sie die Machart der Seite misst statt ihrer Suchleistung. Sechs Signale, alle direkt aus dem Crawl nachprüfbar:
| Signal | Punkte | Volle Punkte bei |
|---|---|---|
| Text-Anteil (Text vs. Navigation/Template) | 5 | ab der projektweise eingestellten Grün-Schwelle |
| Effektive Textmenge (Wörter × Text-Anteil) | 4 | ab ~200 Wörtern echtem Text |
| Lesbarkeit (Flesch) | 3 | 40–80 (für deutschsprachigen E-Commerce als gut angesetzt) |
| Title-Länge | 3 | 30–60 Zeichen |
| H1 vorhanden und nicht domainweit dupliziert | 3 | individuelle H1 |
| Interne Verlinkung | 2 | ab 5 eingehenden internen Links |
Jedes Signal steht im Ergebnis als Klartext mit ✅/⚠️/❌ neben der Zahl — nachprüfbar, nicht als Blackbox-Wert.
Bis August 2026 hieß diese Zahl „E-E-A-T". Das war irreführend: E-E-A-T ist ein Bewertungsrahmen aus Googles Quality-Rater-Richtlinien, und Google stellt ausdrücklich klar, dass es keinen E-E-A-T-Score gibt. Gemessen wurden hier ohnehin nie Autorenschaft, Aktualitätsangaben oder Quellenlage, sondern die sechs Signale oben. Der Wert ist derselbe geblieben, nur der Name benennt jetzt, was tatsächlich gemessen wird.
Die Szenario-Rechnung (keine Prognose)
Das Klick-Szenario zeigt, was ein Satz offen gelegter, verschiebbarer Annahmen impliziert — nicht, was eintreten wird. Deshalb heißt es im Tool durchgehend „Szenario", nie „Prognose". Die Rechnung:
- Baseline: die gemessenen Klicks der letzten 90 Tage, durch drei geteilt — das heutige Monatsniveau. Sie wird nie geschönt.
- CTR-Hebel: Für jede Seite im CTR-Potenzial-Bucket wird die Lücke zwischen erwarteter CTR (Positionskurve unten) und gemessener CTR mit den Impressionen multipliziert. Die Annahme CTR-Realisierung (Standard 30 %, einstellbar 0–100 %) bestimmt, welcher Anteil dieser Lücke durch bessere Titles/Descriptions realisiert wird.
- Konsolidierungs-Effekt: ein kleiner Uplift auf den Bestand (Standard 2 %, maximal 10 %) durch das Entfernen und Zusammenlegen schwacher Seiten. Er greift nur, wenn es nennenswert viele Aufräum-Kandidaten gibt, und skaliert darunter anteilig. Ein Crawl-Budget-Argument machen wir bewusst nicht — das trägt bei Sites dieser Größe nicht.
- Anlauf und Trend: Beide Effekte laufen linear über die Umsetzungsdauer (Standard 3 Monate) an. Der Markttrend (Standard 0 %, einstellbar ±50 % p. a.) wirkt multiplikativ auf alles — auch negativ.
- Drei Linien: Konservativ, Erwartet und Ambitioniert setzen die Effekt-Terme mit Faktor 0,5 / 1 / 1,5 an. Die Baseline ist in allen drei identisch.
- Das Konfidenzband kommt aus den Daten, nicht aus dem Bauchgefühl: Wir messen die Streuung der wöchentlichen Klicksummen der letzten Monate (Variationskoeffizient) und legen sie als Band um jede Linie. Das Band weitet sich mit dem Horizont, weil Unsicherheit über die Zeit wächst. Liegen keine Tagesdaten vor, wird ein bewusst breites Standard-Band angesetzt und die Konfidenz auf „niedrig" gestuft. Die Konfidenz-Stufe (hoch/mittel/niedrig) folgt aus der gemessenen Streuung; eine dünne Datenbasis (unter 1.000 Klicks in 90 Tagen) drückt sie zusätzlich eine Stufe.
Die CTR-Positionskurve
Bewusst konservative Näherung — branchenübliche Kurven liegen teils deutlich höher. Zwischen den Stützstellen wird linear interpoliert:
| Ø-Position | 1 | 2 | 3 | 5 | 8 | 10 | 15 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Erwartete CTR | 25 % | 13 % | 9 % | 4,5 % | 2,5 % | 1,8 % | 1,3 % |
Was das Szenario nicht behauptet
- Es prognostiziert keine Rankings und keine Umsätze (Umsatz folgt in Phase 2 mit GA4).
- Es unterstellt keine Algorithmus-Updates, keine neuen Inhalte und keinen Linkaufbau.
- Es rechnet in Klicks — bei stark KI-Übersichts-lastigen Suchbildern kann Sichtbarkeit steigen, ohne dass Klicks folgen. Genau deshalb ist die CTR-Kurve konservativ gewählt.
- Ein leeres oder negatives Ergebnis wird angezeigt, nicht unterdrückt.
Grenzen — was das Tool nicht behauptet
- Keine Ranking-Garantien. Empfehlungen sind datenbasierte Vorschläge; die redaktionelle Letztentscheidung liegt beim Seitenbetreiber — das gilt besonders für Deindexierungen.
- Kein Crawl-Budget-Argument. Bei Sites unterhalb von Millionen URLs ist Crawl-Budget kein reales Problem — wir begründen Aufräumen mit dem Qualitätsprofil der Domain, nicht mit Googles Crawler-Ökonomie.
- GSC-Daten kommen mit Verzug und Sampling. Bewertet wird mit dataState=final; die letzten Tage fehlen absichtlich. Sehr kleine Zahlen (unter ~10 Impressionen) behandelt die Engine als „kein Nachweis", nicht als Messwert.
- KI-Übersichts-Sichtbarkeit ist nur indirekt messbar. Die GSC liefert dafür keine API mit Historie — wir diagnostizieren über das Muster „gute Position, Impressionen, keine Klicks" und sagen das auch so.
- Kein Wettbewerbs-Benchmark, keine Umsatz-Attribution in Phase 1 — beides käme mit eigenen Unsicherheiten, die wir nicht als Scheingenauigkeit verkaufen wollen.
Engine-Versionen
Jeder Lauf speichert Engine- und Score-Modell-Version; Änderungen stehen datiert im Changelog. Kurzfassung: v1.0 (Go-Live, Parität zum vorherigen internen Werkzeug) → v2.0 (Neukonzeption gegen den Google-Stand August 2026: Klick-Schutz, Kein-Traffic-Nachweis vor jedem Deindex, AIO-bewusste CTR-Diagnose, Wortzahl raus aus dem Score) → v2.1 (Review-Split in benannte Aktionen auf Basis der Top-Suchanfragen je Seite).
Fragen zur Methodik: juri.saloid@datascale.de · Diese Seite wird mit jeder Engine-Version fortgeschrieben (aktuell v2.6).